
Blühflächen
Artenvielfalt / Biodiversität
Der Natur in Deutschland geht es nicht gut. Von Insekten- und Artensterben ist häufig die Rede. Der Begriff „Verlust der Biodiversität“ wird in diesem Zusammenhang verwendet. Das klingt erstmal schon bedrohlich, die Realität und die Folgen dieser Szenarien sind jedoch noch weitaus schlimmer, als wir uns das momentan vorstellen können.
Die Erde ist keine Kugel, auf der alle Lebewesen (Tiere, Pflanzen, …) einfach so nebeneinander her leben, jeder für sich. Die Erde ist ein System, das sich, wenn man mal den Einfluss des Menschen der letzten 150 Jahre ausblendet, über Millionen Jahre entwickelt und optimiert hat (Evolution). Alles ist irgendwie miteinander verknüpft und durch ABHÄNGIGKEITEN und FUNKTIONEN miteinander verbunden, im Kleinen, wie im Großen. Nichts lebt losgelöst von allen anderen. Das ist ein riesiges Netzwerk, das niemand wirklich durchschauen kann.
Wir verlieren inzwischen regelmäßig Arten, wenn auch nur regional. Da die Auswirkungen in der Regel nicht unmittelbar zu erkennen sind, scheint das erstmal nicht so dramatisch. Aber wir müssen die Natur als KOMPLEXES, langsam gewachsenes SYSTEM sehen, in dem ALLES VERNETZT ist und ZUSAMMEN HÄNGT und jede Art ihre Funktion und Nutzen hat. Der Wegfall einer Art reißt eine Lücke, die zwar oftmals erstmal durch eine andere geschlossen werden kann, manchmal aber auch nicht. Und dann bleibt eine Lücke. Konkret kann das bedeuten, daß z.B dadurch eine Nahrungsquelle, ein Bestäuber, eine Nistmöglichkeit fehlt. Für die abhängigen Lebensformen bedeutet dies, daß sie ebenfalls regional aussterben werden. Und damit wird die Lücke im Netz größer…
In den letzten 30 Jahren haben wir bereits mehr als 75% der Insektenmasse verloren, Tendenz steigend. Als Konsequenz ist auch der Bestand bei Pflanzen (aufgrund fehlender Bestäubung) und den von Insekten abhängigen Vogelarten dramatisch gesunken (Beispiel Rebhuhn: -94%, aber auch Kiebitz, Goldammer, Feldlerche, Grauammer,…). Inzwischen sind 45% aller Feldvogelarten stark bedroht und stehen auf der roten Liste.
Flächennutzung in Deutschland
Schaut man sich die Flächennutzung in Deutschland an, erkennt man sofort, wie sehr der Mensch die Flächen in Beschlag genommen hat. Circa 50% der Gesamtfläche Deutschlands werden landwirtschaftlich genutzt, etwa 70% davon als Ackerfläche, Blumenwiesen sind eher selten. Mit rund 30% nimmt der Wald den zweit größten Anteil ein. Circa 95-98% der Wälder werden aber wirtschaftlich genutzt und dienen dem Holzanbau. Siedlungs- und Verkehrsflächen benötigen etwa 15%, Gewässer nehmen etwa 2% ein. Die restlichen 3% sind „sonstige Flächen“, Abbauland, Unland, ehemalige Militärgelände und Abraumhalden. Wenn man davon ausgeht, daß die landwirtschaftlich genutzten Flächen und die Holzanbaugebiete wenig Lebensraum für Wildtiere bieten, und sich auch die Siedlungsflächen in der Regel an den Bedürfnissen der Menschen orientieren, bleibt da wenig Platz für die Natur. Der Verlust der Biodiversität, also der Artenvielfalt und der Vielfalt der Lebensräume, ist die Folge. Hier müssen wir dringend gegensteuern!
Geben und nehmen
Als Imker profitieren wir besonders von den Honigbienen und den Blühflächen, die sie anfliegen. Das Gleiche gilt natürlich auch für die Landwirte, auf deren Feldern die Honigbienen, gemeinsam mit den Wildbienen und weiteren Insekten eine unglaubliche Bestäubungsleistung erbringen. Auch in den privaten Gärten sorgen die bestäubenden Insekten für reiche Ernten. Sollten wir nicht im Gegenzug, dafür sorgen, daß es den Honigbienen und auch den Wildbienen, Schmetterlingen und anderen Bestäubern gut geht und zwar über das ganze Jahr?
Konkurrenz Wildbiene / Honigbiene
Immer wieder kommt es zu Diskussionen zwischen Imkern und Naturschützern, ob die Honigbienen den Wildbienen und anderen Insekten die Nahrung wegnehmen und diese verdrängen. Ich finde das beschämend, da hier vom grundliegendem Problem abgelenkt wird! Natürlich bin ich auch kein Freund davon, daß Imker 15, 20 oder mehr Völker an einem Platz aufstellen und die Region mit Honigbienen überfluten. Hier sollten die Imker auf ein gesundes Maß zurückfinden. Das grundsätzliche Problem liegt doch aber in unserer, für Insekten und andere Wildtiere inzwischen lebensfeindlichen Landschaft. Geht doch mal im Spätsommer spazieren, stellt euch vor ihr seid eine Honigbiene, eine Wildbiene oder ein Schmetterling und schaut euch in der Landschaft um. Ihr werdet hungrig nach Hause kommen!
Neue Lebensräume schaffen
Wir brauchen dringend neue, vielfältige Lebensräume für Wildtiere, Blumenwiesen, die über einen langen Zeitraum im Jahr Nahrung und Schutz für Insekten bieten, Blühstreifen in und an Ackerflächen, vielfältige Hecken, möglichst mit blühenden Säumen um die Felder, Streuobstwiesen, blühende Gärten, Terrassen und Balkone und gesunde Böden. Es reicht heute nicht mehr aus nur die vorhandenen Lebensräume zu erhalten! Wir brauchen mehr. Und jeder kann etwas dafür tun!

Der heimische Garten stellt für viele Menschen einen besonderen Ort der Erholung und Entspannung dar, ich gehöre dazu. Eine naturnahe, blütenreiche Gestaltung lockt schnell eine Vielzahl an Honigbienen, Wildbienen, Schmetterlingen und anderen Bestäubern an. Als Folge schauen dann auch immer mehr Vögel vorbei und bereichern den Garten. Hat man die Möglichkeit für eine kleine Wasserfläche, erweitert sich das Spektrum noch deutlich, z.B. durch Libellen, Molche, Frösche… Es gibt immer etwas zu sehen und zu hören. Es entsteht eine wohltuende, entspannende Atmosphäre. Und die Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und Co. belohnen uns für unsere Mühen durch ihre Bestäubungsarbeit im Obst- und Gemüsegarten.

Leider wird das Potential der Gärten nur unzureichend genutzt, dabei sind die Möglichkeiten vielfältig. Laßt es einfach blühen! Fangt klein an, z.B. mit ein paar Blumenzwiebeln (Krokusse, Hyazinthen,…) einem Blumentopf oder einem Balkonkasten mit einheimischen Wildblumen, ein paar Quadratmetern Blumenwiese, einem kleinen Staudenbeet, einem Obstbaum. Jede Blüte zählt. Verwendet möglichst mehrjährige, einheimische Wildblumen. Es gibt Stauden und diverse Saatgutmischungen. Die Anlage ist nicht schwierig, das Ergebnis aber beeindruckend. Verwendet früh-, mittel- und spätblühende Blühpflanzen und verlängert so das Blühangebot. Obstbäume stellen ebenfalls eine tolle Nahrungsquelle für Insekten (und Menschen) dar. Hecken bieten neben der Nahrung für Insekten zusätzlich noch Schutz vor Feinden und Witterung. Bei Fragen könnt ihr mich gerne kontaktieren. Weitere Infos findet ihr auch auf der Internetseite des „Netzwerk Blühende Landschaften“.

Die Landwirtschaft bietet viel Potential. Die Landwirte besitzen in der Regel die großen Flächen. Über den gezielten Einbau von Trachtpflanzen (Nektar- und Pollenspender) in ihre Fruchtfolge haben sie die Möglichkeit, Wild- und Honigbienen sowie andere Blüten besuchende Insekten zu fördern. Mit Blühstreifen in und an den Äckern, Hecken, Säumen und ungenutzten Böschungen können sie wertvolle „Trachtinseln“ und Lebensräume für wildlebende bestäubende Insekten anbieten. Weitere Möglichkeiten bieten Brachen als Blühflächen im Ackerbau, Blumenwiesen im Grünland sowie blühende Säume und Raine.

In den Städten und Gemeinden sind öffentliche Grünflächen wichtige Räume für Erholung und Entspannung und beeinflussen damit auch die Lebensqualität. Bei naturnaher Anlage und Pflege entwickeln sich die Grünflächen zu wertvollen Lebensräumen für eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren. Gut verteilt können sie ein grünes Netz im Siedlungsbereich bilden. Die Möglichkeiten für städtisches Grün sind vielfältig: Parks, Friedhöfe, Straßenränder, Kreisverkehre, Grünanlagen an öffentlichen Bauten wie Schulen, Krankenhäusern, Verwaltungsgebäuden sowie Parkplätze, Brachflächen und Bauwerksbegrünung. Auch Blumentröge können wichtige ökologische Elemente des Stadtgrüns sein. Durch die grünen Oasen können vielfältige Lebensräume für Insekten geschaffen und dadurch auch die Lebensbedingungen der Vögel verbessert werden, die dringend auf Insekten als Nahrung angewiesen sind. Das ökologische Potential des öffentlichen Raumes wird momentan leider noch wenig genutzt. Gute Lösungen im öffentlichen Raum können auch eine Vorbildfunktion für die Bevölkerung haben und zum Mit- und Nachmachen motivieren.
