Faszination Honigbiene

Es ist nicht nur der Honig, der das Imkern zu einem so wunderbaren Hobby macht. Es ist die Arbeit in und mit der Natur. Es ist die Lebensweise des Biens, der beispielhafte Zusammenhalt, das selbstlose Handeln der einzelnen Bienen zum Wohl der Gemeinschaft, echte Solidarität. Es sind die vielen kleinen und großen Rätsel, die sie einem immer wieder aufgeben, wo man als Imker doch meint, schon so viel zu wissen. Die vielen kleinen und großen Geheimnisse, die sich im Bienenvolk verbergen, das Gefühl, daß sie mit uns kommunizieren, wenn wir die Beute öffnen und sie in ihrer Welt besuchen, und sie uns auf ihre spezielle Art und Weise sagen, daß es gerade „ok“ ist oder auch „gerade nicht passt“.

Scheinbar wirr laufen hunderte von Bienen kreuz und quer über die Waben, ohne erkennbare Ordnung. Am Flugloch starten die Bienen in zig verschiedene Richtungen, scheinbar ziellos. Und dennoch ist das Handeln des Biens unglaublich effektiv und zielgerichtet. Und hierfür braucht es nicht mal einen Anführer. Die Führung kommt von innen. Jede Biene weiß was zu tun ist und richtet ihr Handeln danach aus. Keine starren Strukturen, sondern eine flexible, zielgerichtete Ausrichtung, so wie es die jeweils aktuelle Situation erfordert.

Ein Bienenschwarm ist immer wieder ein Erlebnis, auch für die Bienen

Alles wird geteilt, wenn es sein muß bis zum letzten Tropfen Honig. Verschwendung gibt es nicht. Alle erforderlichen Resourcen werden in der benötigten Menge gesammelt und effektiv genutzt. Dabei werden weder Tiere, noch Pflanzen, Lebensräume oder gar das Klima durch das Handeln der Honigbienen geschädigt oder auch nur negativ beeinflusst. Könnten wir das nur von uns behaupten! Das ist echte Nachhaltigkeit!

Lässt man ihnen ein bisschen freie Hand, bauen die Bienen wunderschöne, sehr stabile, aber federleichte Naturwaben, jede mit ihrer eigenen, kreativen Note. Unglaublich präzise formen sie jede Zelle mit hauchdünnen Wänden.

Wer einmal das Glück hat dabei zu sein, wenn gerade ein Schwarm auszieht, wird die unbändige Energie spüren, mit der sich in wenigen Minuten Tausende Bienen mit Wucht, wie eine zähflüssige Masse, aus dem Flugloch drängen und den Höhepunkt ihres Bienenjahres celebrieren, wie sie zunächst eine riesige Bienenwolke bilden um sich kurz danach in einer dicht gedrängten Traube zu sammeln um ein neues Bienenvolk zu gründen. Ein faszinierendes Schauspiel!

Ein Bienenschwarm ist immer wieder ein besonderes Ereignis, auch für die Bienen.

Und dann gibt es da natürlich noch den wertvollen Honig, als Nektar mit unglaublichen Aufwand von den Bienen eingetragen und veredelt. Wohlschmeckend und gesund. Als Imker weiß man, wie viel Aufwand die Bienen betreiben, um den Honig für ein Glas zusammen zu tragen. Dementsprechend groß sollte der Respekt vor der Leistung der Bienen und die Wertschätzung für jeden Tropfen sein.
Ganz nebenbei bestäuben die Bienen bei ihrer Nektarsuche Millionen von Blüten und leisten so, zusammen mit den Wildbienen und vielen weiteren Insekten, einen wesentlichen und unschätzbaren Beitrag zu unserer Ernährung, was leider viel zu oft vergessen wird. Anders ist die menschliche Ignoranz gegenüber dem seit Jahrzehnten andauernden Insektensterben nicht zu erklären. Wäre jedem Menschen bewusst, wie unsere Ernährung ohne die Arbeit der Bestäuber aussehen würde, wären unsere Welt sicher blütenreicher!

Die Imkerei oder Bienenhaltung ist für mich inspirierend. Sie hält den Kopf in Bewegung und fördert das Verständnis für viele Abläufe in der Natur. Ich lerne jeden Tag dazu. Als Imker bekommt man einen anderen Blick für die Umgebung. Das Auge sucht nach Blüten und Trachten, die Ohren sind auf Bienen-Summen programmiert, insbesondere in der Schwarmzeit. Viele Pflanzen der Umgebung, die vorher einfach nur „da“ waren, werden auf einmal viel bewusster wahrgenommen, ihre Namen, ihre Blütezeiten und Besucher sind auf einmal ein Thema.

Der Umgang mit den Bienen bereitet Freude und steigert Wohlbefinden und Zufriedenheit.