
Abhängigkeiten
Die Bienen brauchen uns nicht, aber wir brauchen die Bienen
Bei vielen Bienenhaltern herrscht die Meinung vor, daß die Honigbiene heutzutage nur überleben kann, wenn der Mensch Hilfestellung leistet, in Form von Zufütterungen, Behandlungen gegen Parasiten und Krankheiten, Zurverfügungstellung von Behausungen etc.. Sie wird deshalb in einer Abhängigkeit vom Menschen/Imker gesehen, der für das Wohl und Überleben der Bienen in der heute so schwierigen Zeit sorgt, ähnlich wie bei einem Hund oder Kanarienvogel. Ich denke, das wird der Honigbiene nicht gerecht und hat schon eine gewisse Ironie, wenn man bedenkt, daß eigentlich alle Probleme, mit denen die Bienen heute zu kämpfen haben, durch den Menschen verschuldet sind!
Ich meine, die Bienen kommen auch heute sehr gut allein zurecht, nicht überall, vor allem bei uns nicht (…und das sollte uns zu denken geben…), aber vielerorts schon. Honigbienen gibt es seit ca. 50 Millionen Jahren auf der Erde, weit länger als es Menschen gibt. Sie haben sich in der Evolution bis heute durchgesetzt und dabei sicherlich die eine oder andere große Herausforderung gemeistert. Sicherlich, würden wir die imkerlichen Maßnahmen einstellen, würden die Bienen in vielen Regionen nicht überleben, in anderen würden sie es jedoch schaffen, mit einer angepassten Lebensweise.

Wie sieht es aber umgekehrt aus? Können wir ohne die Honigbienen auskommen? Mit den Bienen verbindet man in der Regel als erstes den Honig. Für uns Menschen viel wichtiger ist aber die unglaubliche Bestäubungsarbeit, die die Honigbienen, zusammen mit den Wildbienen, Schmetterlingen, Käfern und weiteren Insekten, ganz nebenbei bei ihrer Nektarsuche für uns leisten. Ohne die Bestäuber wäre unsere Ernährung drastisch einseitiger und eingeschränkt. Nährstoffmangel und deutlich höhere Lebensmittelpreise wären die Folge. Wir müssten auf vieles verzichten, z.B. Äpfel, Birnen, Kirschen, Tomaten, Gurken, Erdbeeren, aber auch auf Kaffee, Kakao, Mandeln und Raps- und Sonnenblumenöl …und vieles mehr. Ist uns das wirklich bewusst?
Mit diesem Hintergrund und dem Wissen über die lange evolutionäre Geschichte sollten wir unseren Honigbienen den entsprechenden Respekt entgegenbringen. Die Bienen wissen in der Regel sehr genau, was sie brauchen und was sie für ihr Wohlergehen tun müssen, wir Imker oftmals nicht. Wir sollten sie deshalb nicht von oben herab betrachten, sondern ihnen mit der entsprechenden Achtung auf Augenhöhe gegenüber treten. Die Bienen haben weit mehr Ahnung von Bienen als wir und wir können viel von ihnen lernen, für den Umgang mit den Bienen, aber auch für unser Leben und den Umgang mit Menschen! Deshalb Imkern auf Augenhöhe!
